Motivation in Zeiten der Digitalisierung

Motivation in Zeiten der Digitalisierung

„Warum tue ich mir das eigentlich an?“ Kam Ihnen dieser Satz auch schon einmal in den Kopf? Vielleicht gerade in Situationen, in denen bestimmte Dinge nicht so liefen, wie Sie es geplant hatten? Zu meiner Zeit als aktiver Triathlet musste ich mich häufig der durchaus berechtigten Frage stellen: „Warum tut man sich das eigentlich an?“ Vielleicht bedarf es tatsächlich einer gewissen Portion Verrücktheit und Masochismus, um 226 km am Stück im Wasser, auf dem Rad und in den Laufschuhen zurückzulegen, aber neben diesen körperlichen Strapazen war der Sport für mich stets ein hervorragender Lehrer fürs Leben. Gerade in der heutigen Zeit stellen sich immer mehr Menschen die Frage, was sie wirklich antreibt und im Hinblick darauf hat die Zusammenarbeit mit Unternehmen in Verbindung mit meiner sportlichen Tätigkeit so manch interessante Parallele aufgedeckt.

Veränderung braucht Willenskraft

Wir leben im absoluten Luxus. Für die meisten Dinge müssen wir uns heutzutage kaum noch anstrengen. Das ist hin und wieder ganz angenehm, aber je mehr Dinge wir tun, die uns keine Anstrengung kosten, desto weiter sinkt langsam aber sicher auch die Bereitschaft, sich für Dinge anzustrengen, die wirklich wichtig sind. Entsprechend lässt unsere Willenskraft nach. Das ist überhaupt kein Problem. So lange bis, ja, bis man etwas verändern möchte.

Nehmen wir einmal an, jemand hat das Gefühl, dass er über die letzten Monate hinweg ein bisschen zu flauschig geworden ist und nun ein paar Kilos abnehmen möchte. Er schaut sich ein bisschen im Internet um und recht bald kommt einer dieser 82 Millionen deutschen Ernährungsexperten auf ihn zu und sagt: „Zehn Kilo abnehmen, in zwei Wochen, ohne zu Hungern? Kein Problem! Ich zeig‘ es dir!“ Er legt los und am Anfang läuft es auch ganz gut. Er braucht auch kaum Willenskraft, denn er steckt ja ohnehin noch in der Anfangseuphorie. Aber irgendwann kommt er an einen Punkt, an dem es anstrengend wird. Das Problem ist, dass er jetzt keine Willenskraft hat, sich da durchzubeißen, weil er bisher auch immer den leichten Weg gegangen ist. Was macht er nun in einer solchen Situation? Richtig, er schaut, was andere machen. Internet und Social-Media sei Dank, findet er sehr schnell Fotos und Berichte von anderen. Er sieht Menschen, denen scheinbar genau das gelingt, woran er selbst offensichtlich kläglich scheitert. Ok, das liegt vielleicht auch daran, dass die meisten Menschen nur die besten Momente ihres Lebens posten und nie die Drecksmomente und über die besten Momente wird auch noch ein schicker Filter gelegt.

Die Tatsache, dass wir Tag täglich das scheinbar perfekte Leben der anderen im Internet, Zeitschriften o.ä. sehen, macht uns nachgewiesenermaßen krank. Man sieht Menschen, die scheinbar den perfekten Körper haben. Man sieht Menschen, denen scheinbar jedes Projekt gelingt. Man sieht Menschen, die scheinbar das perfekte Leben führen und man selbst denkt sich: „Verdammt, was bin ich eigentlich für ein Loser. Ich kann ja gar nix!“ Psychologisch gesehen, ist das in der heutigen Zeit Motivationskiller Nummer 1. Wir lernen immer mehr den Gipfel zu bewundern, was wir jedoch nicht mehr sehen, ist der Berg. Sobald es dann nicht so läuft, wie gedacht, kommt recht schnell der Gedanke: „Warum tu ich mir das eigentlich an?“

Kalt duschen

In einer Gesellschaft, in der alle nur die Filetstücke ihres Lebens mit der Öffentlichkeit teilen, leben wir in einem ständigen Mangelgefühl. Die scheinbar mühelosen und schnellen Fortschritte der anderen entmutigen uns. Die Visionen werden immer größer, die dafür notwendige Willenskraft immer kleiner.

Wie man jetzt seine Willenskraft steigert? Ganz einfach: Machen Sie jeden Tag etwas, das Sie ein wenig Überwindung kostet. Duschen Sie beispielsweise kalt. Langsam aber sicher wird Ihre Willenskraft Tag für Tag stärker werden. Vielleicht denken Sie sich jetzt: „Mag ja sein, aber ich will ja gar nicht gut werden im Kaltduschen.“ Keine Sorge, egal, wo Sie sich Ihre Willenskraft erarbeiten, Sie können sie in alle anderen Bereiche übertragen. Ohne Motivation wird man nicht starten. Ohne Willenskraft man es nie zu Ende bringen.

Strahlende Augen

Beim Thema Motivation erlebe ich es regelmäßig, egal ob bei Vorträgen, Seminaren, Führungskräfte-Coachings oder aber auch bei meiner Arbeit mit Jugendlichen: es geht viel zu oft um das Was und das Wie. Klar brauchen wir jemanden, der uns zeigt, wie bestimmte Dinge funktionieren, aber gerade in der heutigen Zeit, in der Wissen ohnehin überall verfügbar ist, brauchen wir jemanden, der unsere Augen zum Strahlen bringt, jemand der uns dazu inspiriert, die beste Version unserer selbst zu werden, egal, ob das der Chef in der Arbeit ist, der Partner zu Hause oder gerade bei Kindern, die eigenen Eltern sind. Erst das gibt uns Sinn in dem, was wir tun und eben dieser Sinn ist es, der uns dazu bringt, über uns hinauszuwachsen und uns zu entwickeln. Laut dem Gesundheitsreport 2018 ist es in erster Linie dieser Sinn, der übrigens zu einem großen Teil durch Wertschätzung entsteht, der dazu beiträgt, dass Mitarbeiter im Job motiviert, gesund und leistungsfähig bleiben.

Auch wenn ich es lange Zeit für mich so praktiziert habe, so bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass es nicht darum geht, einfach nur übertrieben hart zu sich selbst und zu anderen zu sein, sondern darum, zu verstehen, dass es wertvolle Beziehungen, unvergessliche Lebensmomente oder aber auch die Lösung komplexer Herausforderungen hin und wieder erfordern, all seinen Mut zusammenzunehmen und durch diese unbekannte Tür durchzugehen, auch wenn man manchmal Angst hat, weil man eben nicht weiß, was dahinter auf einen wartet. Die denkbar schlechteste Option ist es, sich immer alle Türen irgendwie so ein bisschen offen zu halten. Denn wer sich immer alle Türen offenhält, der wird sein Leben auf dem Flur verbringen und da findet garantiert niemals Entwicklung und Leben statt.

Ich wünsche Ihnen nur das Beste auf Ihrem persönlichen Weg. Sollte Ihnen dennoch hin und wieder der Gedanke in den Kopf kommen: „Warum tu ich mir das alles an?“, dann helfen Ihnen vielleicht die Worte des indischen Literaturnobelpreisträgers Tagore, der einmal gesagt hat: „Wer Bäume setzt, wissend, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, der hat zumindest angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.“

Herzlichst Ihr

Florian Wildgruber

21.05.2019

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